Unter allen wildlebenden Tieren sind es wohl die Vögel, von denen die meisten Menschen besonders beeindruckt sind. Doch zahlreiche sind bedroht: Nicht nur seltene Vögel wie Kranich oder Storch, auch Rauchschwalbe oder Haussperling sind auf der Verliererseite, wenn ihr Lebensraum verschwindet.
Hobby-Ornithologe und Naturfotograf
Torsten hat viele Vögel in und um Bad Münder herum gesichtet und tolle Fotos geschossen.
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Der Schock der Ergebnisse der diesjährigen NABU Stunde der Wintervögel, Deutschlands größter Naturschutz-Mitmachaktion, sitzt noch tief bei vielen Vogelfreunden: Bei der Zählung Anfang Januar waren „durchgängig wesentlich weniger Vögel in den Gärten der Städte und Dörfer gezählt worden als in den Vorjahren; über einen längeren Zeitraum gesehen ist es sogar ein dramatischer Trend, der sich sogar bei eigentlich häufigen Arten wie Kohlmeise, Blaumeise, Grünfink, Dompfaff und Kleiber zeigt“, ist Isabelle Straus vom NABU Niedersachsen alarmiert: „Die meisten Arten hatten zweistellige Einbrüche, bei der durch das Usutu-Virus geschwächten Amsel ging es in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 40 Prozent in den Keller.“
Für diese Entwicklungen dürften, so vermutet der NABU Niedersachsen, mehrere Ursachen verantwortlich sein. „Klar ist aber, dass dem trocken-heißen Sommer, der drastisch auf den spürbaren Klimawandel hinweist, der heftige Rückgang an Insekten als Nahrungsquelle für die Vögel, der Verlust an samentragenden Pflanzen auf Brachen und Wegrändern, die Überbauung immer weiterer Flächen auch in Siedlungsbereichen, wo einst artenreiche, große Gärten durch gepflasterte Flächen mit seelenlosem Abstandsgrün ersetzt werden und der Rückgang von Hecken, heimischen Bäumen und Feldgehölzen eine unheilvolle Melange ergeben, die den Piepmätzen das Lebens schwer macht!“, erläutert Isabelle Straus, die den schleichenden, jahrzehntelangen Rückgang seit Langem beobachtet und nun darauf hinweist, dass er erheblich an Tempo zugelegt hat. „Wir können heute nicht seriös vorhersagen, ob wir in wenigen Jahren noch Rotkehlchen oder Singdrossel mit ihren herrlichen Liedern werden hören können – aber wir wollen keinen stummen Frühling erleben!“
Deshalb hofft der NABU Niedersachsen, „dass nun viele Menschen den Weckruf gehört haben und sich sagen: Jetzt packen wir´s an! Unser Garten soll zum Vogelparadies werden! Auch Spatz, Heckenbraunelle, Buntspecht und andere gehören zu uns, zu unserem Garten! Machen wir ihn zu einer Arche für die Gefiederten – und damit zugleich für viele andere Tiere und Pflanzen sowie uns!“
Der NABU als größter Naturschutzverband mit mehr als 133.000 Mitgliedern in Niedersachsen, der auf eine lange Tradition gerade auch im Vogelschutz zurückblicken kann und dort seine Wurzeln hat, steht allen Interessierten zur Seite: „Selbst der kleinste Garten, ja, sogar Terrasse, Balkon oder Fensterbrett können für die Gefiederten einladend hergerichtet werden – durch eine Vielzahl von Maßnahmen, die allesamt Spaß machen und sehr schnell kleine Erfolge zeigen werden, wenn plötzlich Vogelarten auftauchen, die dort vorher nicht beobachtet wurden“, macht Straus Erfahrungen im praktischen Naturschutz Mut.
„Je vielgestaltiger ein Lebensraum ist, gerade auch ein Garten, desto attraktiver ist er für die Vogelwelt – immer im Zusammenspiel mit anderen Tieren und Pflanzen. Ein uniformer, ausgeräumter, gepflasterter Garten mit einigen langweiligen Immergrünen und Nagelscherenrasen wird niemals an einen Garten mit Blumenwiese, Stauden, insektenfreundlichen Pflanzen, beerentragenden Sträuchern und einem kleinen Teich, einer Fassadenbegrünung und Nisthilfen heranreichen“, sagt er. „Und für jedes kleine Tun gibt es stets reichen Lohn – durch neue Vogellieder“, freut sich die Naturschützerin.
Auch einer artgerechten Winterfütterung – „dadurch bekommen viele Menschen Zugang zur Vogelwelt und lernen viele Arten kennen“ – und einem bunten Angebot an Nisthilfen komme eine große Bedeutung zu. Dazu zählten auch Nistkästen, die neben den gängigen Meisen- und Starenkästen vielen Menschen kaum bekannt seien, etwa für den Zaunkönig, den Kleiber oder den NABU-Vogel des Jahres 2025, den Hausrotschwanz, der ebenso wie Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und andere gern Nischenbrüterkästen annimmt. „Noch ist es Zeit, selbst Nistkästen zu bauen oder geeignete im Fachhandel zu kaufen“, weist Isabelle Straus auf die Zeit bis zum Brutbeginn vieler Vogelarten hin, „aber bis Mitte März sollten sie alle aufgehängt sein!“
Der NABU hofft, dass nun viele kleine und große Vogelarchen zwischen Borkum und dem Eichsfeld, zwischen der Grafschaft Bentheim und dem Amt Neuhaus entstehen werden. „Alle können dazu beitragen, den ‚Stummen Frühling‘ ein kleines Stückchen fernzuhalten“, ruft NABU-Mitarbeiterin Straus auf: „Auf das uns die Poesie des abendlichen Amselgesangs nie abhanden komme …!“
Der NABU Niedersachsen hat dazu ein umfangreiches Info-Paket zusammengestellt. Es umfasst die ausführliche Bauplansammlung für Nisthilfen aller Art, die Broschüren „Vögel im Garten“, „Gartenlust“ und eine Broschüre zur artgerechten Winterfütterung und kann angefordert werden beim NABU Niedersachsen, Stichwort „Vogelparadies“, Alleestr. 36, 30167 Hannover, gegen Einsendung von 10 Euro.
Hannover – Mit Abschluss der Auswertung der größten wissenschaftlichen Mitmachaktion Deutschlands, der NABU Stunde der Wintervögel, zeigt sich der NABU Niedersachsen über die Ergebnisse im eigenen Bundesland, wegen stark zurückgegangener Zahlen bei fast allen Singvogelarten, „besorgt bis alarmiert“. Der Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann erklärt: „Selbst, wenn Faktoren wie eine leicht geringere Teilnehmendenzahl – in diesem Jahr waren es zwischen Borkum und Eichsfeld 11.238 Vogelbegeisterte - und der Witterungsumschwung - von grautrüb zu einem Wintereinbruch -mitberücksichtigt werden, haben sich die Zahlen vieler Singvogelarten sprunghaft negativ entwickelt. Das erfüllt uns wirklich mit großer Sorge“, so der Naturschützer. Denn die zehn am häufigsten gemeldeten Singvogelarten, hier ohne Berücksichtigung von Rabenvögeln, haben ausnahmslos im zweistelligen Prozentbereich ungewöhnlich starke Bestandsrückgänge erlitten, und zwar in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr im Mittel um satte minus 17,7 Prozent. Das ist knapp ein Fünftel weniger an Individuen.
„Es sind durchweg Arten, die zu den häufigen Vögeln im Siedlungsraum gehören und in Dorf und Stadt eigentlich noch weitläufig anzutreffen sind. Jetzt zeigen sich bundes- wie landesweit außergewöhnlich starke Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr. Bei einigen Arten geht es sogar seit Jahren kontinuierlich bergab“, ergänzt Dr. Buschmann. Als Beispiel der gegenüber dem Vorjahr in Niedersachsen sogar in zweistelligen Prozentzahlen rückläufigen Arten nannte er den nach wie vor Erstplatzierten der Stunde der Wintervögel, den Haussperling, dessen Bestand ein Minus von 13 Prozent aufweist. Die Zweitplatzierte, die Kohlmeise, folgt mit minus 10 Prozent. Die Blaumeise kommt sogar auf minus 16 Prozent und die Amsel mit dem größten Minus von 40 Prozent – wohl hauptsächlich infolge der neuerlichen Epidemie durch das Usutu-Virus. Ebenso brachen die Zahlen ein bei Feldsperling mit erschreckenden minus 25 Prozent, Buchfink mit minus 15 Prozent und Heckenbraunelle sogar mit minus 29 Prozent.
„Wir müssen alarmiert sein, da sich die Anzahl der im Rahmen der Aktion beobachteten Singvögel in den Gärten derart stark verringert hat“, betont Dr. Holger Buschmann. „Hoffentlich kündigt sich hier kein stummer Frühling an. Die Ursachen müssen wissenschaftlich akribisch aufgearbeitet werden – aber dabei kann es nicht bleiben. Denn wir wissen, dass viele Faktoren zum Artensterben und zum Verlust von Lebensräumen beitragen: Die meisten Singvögel sind auf Insekten als Hauptnahrung angewiesen und bei eben diesen sind erhebliche Rückgänge durch Klimakrise, extrem nasse Witterung im Vorjahr und die Intensivierung der Landwirtschaft festzustellen. Es fehlen weiter naturnahe Gärten und Parks, kräuterreiche Blühfächen, Wegränder und Brachen, artenreiches Grünland, Feldgehölze, und immer noch versiegeln wir auch in Niedersachsen viel zu viel Boden mit Asphalt und Beton. Auch wenn man bei Zählungen eines Jahres eine gewisse Vorsicht walten lassen muss, bin ich aufgrund der verringerten Zahlen alarmiert. Dem Naturschutz muss daher dringend wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dabei sind alle gefragt - Privatpersonen ebenso wie Wirtschaft und Politik“, mahnte der NABU-Landesvorsitzende. „Gerade Politik und Teile von Wirtschaft und Gesellschaft scheinen sich nicht in angemessener Weise bewusst zu sein, dass es hier um die Existenzgrundlagen des Menschen geht.“
Er dankte allen, die sich an der NABU Stunde der Wintervögel beteiligt haben, weil sie dadurch „einen Beitrag dazu geleistet haben, dass wir weitere Erkenntnisse erhalten“ und hofft auf eine rege Teilnahme bei der Stunde der Gartenvögel am zweiten Maiwochenende.
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NABU Niedersachsen – Pressestelle
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Wie oft passiert es, dass man in der Natur unterwegs ist und wieder eine Vogelart entdeckt, über die man mehr wissen möchte. Doch im Rucksack ist neben Proviant und einer Regenjacke kein Vogelführer zu finden. Dieser wurde leider vergessen und steht noch zu Hause im Regal. Vogelführer kostenlos herunterladen
Im Frühjahr einen Nistkasten aufhängen, im Sommer eine Vogeltränke aufstellen, im Herbst im vogelfreundlichen Garten ausreichend Nahrung zur Verfügung stellen und bei Eis und Schnee füttern - der NABU zeigt, wie Sie Vögeln das ganze Jahr über helfen können.
Grundsätzlich ist bei Fundtieren zu bedenken, dass es sich zumeist gar nicht um "hilflose" Tiere handelt, sondern dass eher "Ästlinge" auch außerhalb ihrer Nester von den Eltern versorgt werden. Viele Jungtiere sind bei ihren Ausflügen noch nicht flugfähig, die Tiereltern füttern und sichern ihre Jungen im Verborgenen, um nicht aufzufallen. Nur eindeutig verletzten Tieren sollte man helfen.
Wenn ab dem Spätherbst Lebkuchen und Weihnachtsgebäck die Supermarktregale füllen, stapeln sich nicht weit davon auch Berge mit Vogelfutter und Meisenknödeln. Die Winterfütterung kommt so sicher wie die schneefreie Zeit um Weihnachten und hat nicht nur in Deutschland eine lange Tradition. Jahr für Jahr geben bundesdeutsche Vogelfreund*innen rund 15 bis 20 Millionen Euro dafür aus. Neben dem Aufhängen von Nistkästen ist die Vogelfütterung wohl die beliebteste Form des Vogelschutzes. Doch kaum ein Thema wird unter Vogelbegeisterten so kontrovers diskutiert wie die Fütterung von Wildvögeln.
Der Winter bedeutet für viele Vögel einen Mangel an Nahrungsquellen. Wer den gefiederten Freunden Nahrung anbieten möchte, den ruft der NABU dazu auf, beim Füttern von Wildvögeln im Winter einige Ratschläge zu beherzigen, um den Tieren nicht zu schaden.
Der bevorzugte Lebensraum des Steinkauzes ist ein offenes, reich strukturiertes Gelände mit einem ausreichend großen Angebot an Bruthöhlen, Tagesverstecken und Sitzwarten. Da er seine Beute, neben Kleinsäugern auch Regenwürmer, Insekten, Reptilien und Amphibien, am Boden jagt, ist er das ganze Jahr auf Flächen mit niedriger Vegetation angewiesen. So sind Streuobstwiesen, Parkanlagen, Friedhöfe und Wiesen mit häufigem Vieh- oder Pferdebesatz in Dorf- und Stadtnähe wichtige Biotope für die kleine Eule.
Die Vielfalt unserer Wälder ist bedroht und Käuze finden immer weniger geeignete Brutplätze.
Hier findet man eine Anleitung zum Bau einer Niströhre.