Mehrhundertjährige Naturdenkmale durch behutsamen Rückschnitt erhalten, neue Bäume richtig pflanzen und pflegen – darum kümmern sich unsere ehrenamtlichen Aktiven. Wir haben vor allem den Erhalt und Schutz des Baumbestands auf Streuobstwiesen und im öffentlichem Raum im Blick, geben aber gern auch privaten Grundstückseigentümern Rat in Sachen Pflege und Neuanpflanzungen – es lohnt immer, eine zweite Meinung einzuholen, wenn es darum geht, die richtige Art für den passenden Standort auszuwählen. Denn Bäume und Sträucher sind nicht nur Schattenspender und natürliche "Klimaanlagen", sondern auch wichtige Lebensräume für zahlreiche Säugetiere, Vögel und Insekten. Bei allen Fragen zum Thema Bäume und Streuobstwiesen helfen Ihnen unsere Experten weiter:
Matthias Großmann
31848 Bad Münder OT. Nienstedt
Tel.: 05042 / 989120
matthias_grossmann@t-online.de
Jens Becker
31848 Bad Münder
Tel.: 0176 / 42040625
Streuobstwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere, Pflanzen und Pilze. mehr
Streuobstwiesen sind vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften, eine Form des Obstanbaus, die auf Mehrfachnutzung angelegt ist. Die hochstämmigen Bäume, die "verstreut" in der Landschaft stehen, tragen unterschiedliches Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Walnüsse. Die Wiese kann als Weideland genutzt werden. Ein weiteres Merkmal ist eine Bewirtschaftung, bei der in der Regel kaum Dünger und Pesitizide eingesetzt werden. Zwar wurde bereits im Mittelalter Obstbau professionell betrieben, so richtig ging es mit den Streuobstwiesen, wie man sie heute kennt, aber erst im 18. und 19. Jahrhundert los.
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen ganz Mitteleuropas. Sie bieten beste Voraussetzungen für eine hohe Artenvielfalt. Die Nährstoffknappheit durch die fehlende Düngung und die nur zweimal im Jahr stattfindende Mahd bewirken, dass keine Pflanzenart überhand nehmen kann. So können zahlreiche Arten nebeneinander existieren. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten leben auf einer Streuobstwiese.
Großkronige Obstbäume bieten einer Vielzahl bedrohter Arten Unterschlupf, Nahrung und Brutstätten - ein ganz besonders schützenwertes Biotop am Rande unserer Dörfer. mehr
1 Hintergrund
Streuobstwiesen stellen für viele (oft gefährdete) Tier- und Pflanzenarten bedeutsame Lebensräume dar. Vor allem der Strukturreichtum auf diesen Flächen mit unterschiedlichen Hochstamm-Obstbäumen innerhalb von extensivem Grünland und vielen Sonderstrukturen wie Totholz, Baumhöhlen, Lesesteinhaufen, Holzstapeln, Hochstaudenfluren usw.) führt oft zu einem hohen Artenreichtum. Zu nennen sind zum Beispiel Fledermäuse, Vögel und Insektenarten wie (totholzbewohnenede) Käferarten, Wildbienen, oder Ameisen, für die Streuobstwiesen wichtige Habitate in der Kulturlandschaft darstellen können. Der NABU Bad Münder pflegt und betreut mehrere Streuobstwiesen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters und trägt so zur Förderung der Biodiversität bei. Um die Entwicklung der Flächen auch langfristig zu begleiten, ist ein regelmäßiges Monitoring wünschenswert. Eine erste methodische Erfassung des Vogelartenspektrums fand im Sommer 2021 auf der Fläche „Kleine Söhre“ bei Eimbeckhausen statt (damalige Bearbeitung: Yasmin Günterberg). Da weitere Kenntnisse über Vogelartenvorkommen auf den verschiedenen Streuobstwiesen bisher hauptsächlich auf Zufallsbeobachtungen zurückgingen, wurde in diesem Sommer (2024) eine methodische Vogelerfassung auf mehreren Flächen durchgeführt.
2 Untersuchungsgebiete und Methode
Untersucht wurden die Streuobstwiesen „Schiefer Brink“, „Süntelstraße“ und „Kleine Söhre“, wobei sich die Flächen sowohl von ihrer Größe als auch ihrem Alter unterscheiden. Die „Kleine Söhre“ gehört seit 2017 anteilig dem NABU und dem Heimatbund Bad Münder, wurde aber bereits vor über 100 Jahren angelegt und weist noch einige alte Obstbäume aus dieser Anfangszeit auf. Die Fläche nahe Eimbeckhausen ist mit ca. 0,8 ha etwa genauso groß wie die Streuobstwiese „Süntelstraße“, deren Obstbäume in den Jahren 2015 und 2016 durch den NABU gepflanzt wurden. Die jüngste und größte Streuobstwiese ist mit einer Größe von ca. 4,5 ha die Streuobstwiese „Schiefer Brink“ bei Böbber, die 2020 gestaltet wurde.
Auf diesen Flächen (und den direkt angrenzenden Randstrukturen) wurde im Zeitraum von Mitte März bis Mitte Juni an insgesamt 7 Kartiertterminen im Abstand von ca. zwei Wochen eine Brutvogelrevierkartierung durchgeführt. Dabei wurden die gängigen Methodenstandards nach Südbeck et al. (2005)¹ berücksichtigt. Die Kartierung erfolgte nur bei geeigneter Witterung (kein Regen, kein starker Wind), begann stets bei Sonnenaufgang, erfolgte auf allen drei Flächen nacheinander am selben Kartiertag (wobei die Reihenfolge der Flächen routierte) und endete meist ca. 3 Stunden nach
Sonnenaufgang. Dabei wurden die Flächen abgegangen und alle akustischen und optischen Vogelnachweise mit Art- und Verhaltenskürzeln auf Tageskarten notiert. Bei der späteren Auswertung wurden diese Tageskarten überlagert und für jede nachgewiesene Art überprüft, ob ausreichend revieranzeigendes Verhalten innerhalb der artspezifischen Wertungsgrenzen (vgl. Andretzke et al. in Südbeck et al. 2005) vorlag, um einen Brutverdacht oder einen Brutnachweis zu liefern. Für solche Arten wurden dann Brutreviere eingezeichnet. Für Arten, bei denen die Nachweise nicht ausreichten (weniger häufige Arten, Durchzügler, Überflieger etc.), wurde nur eine Brutzeitfeststellung notiert.
3 Ergebnis und Diskussion
Insgesamt wurden 37 Arten auf den Streuobstwiesen nachgewiesen, wobei der Schiefe Brink mit 24 Arten am artenreichsten war und auch die meisten Arten mit Brutnachweis aufwies (Tab. 1). Hervorzuheben sind hier vor allem Feldlerche und Star (gefährdet in Niedersachsen) und das Rebhuhn (stark gefährdete Art), die alle mit Brutverdacht/-nachweis auf der Fläche vorkamen. Der Star wurde mit mehreren Brutnachweisen beobachtet – hier waren vor allem die angebrachten Nistkästen von großer Bedeutung. Feldlerche (Abb. 1) und Rebhuhn profitieren von dem relativ offenen Charakter, den die Fläche aufweist. Auch im Umfeld konnten mehrere Feldlerchenreviere abgegrenzt werden, zwei Reviere mit Brutverdacht waren jedoch auf der Streuobstwiese selbst. Beim Rebhuhn, das relativ große Aktionsräume hat, ist die Abgrenzung eines Reviers zwar schwierig, der regelmäßige Nachweis eines Pärchens im immer selben Teil der Fläche sowie die Entdeckung von Schlafplätzen in diesem Bereich bekräftigen den Brutverdacht. Diese Art benötigt Saumstrukturen, Deckungsmöglichkeiten, offene Bodenflächen und hohen Insektenreichtum und profitiert daher von der großen Strukturvielfalt, die der „Schiefe Brink“ bietet. Die Flächen „Süntelstraße“ und „Kleine Söhre“ wiesen zwar geringere Artenzahlen und eine geringere Zahl von Arten mit Brutverdacht/-nachweis auf, sind jedoch auch deutlich kleiner als der „Schiefe Brink“ und hatten dafür höhere Revierdichten (also mehr Brutpaare pro Flächeneinheit). Insgesamt waren vor allem die Randbereiche der Streuobstwiesen (insbesondere bei den Flächen „Süntelstraße“ und „Kleine Söhre“) mit Hecken- und Gehölzstrukturen von großer Bedeutung für viele Vogelarten.
Interessant ist, dass von den 37 nachgewiesenen Arten nur 6 Arten auf allen drei Flächen vorkamen. Zugleich gab es 15 Arten, die ausschließlich auf dem „Schiefen Brink“ und nicht auf den anderen beiden Flächen nachgewiesen wurden. So nutzte u. a. das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen (RL 1 in Niedersachsen) diese Fläche als Durchzügler. Das unterstreicht zum einen die Bedeutung dieser Streuobstwiese für die Biodiversität und zum anderen, wie wichtig das Vorhandensein von verschiedenen Streuobstwiesen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Struktur in der Landschaft ist.
Danksagung
Ich bedanke mich bei Torsten Wiechmann, der mich bei einer der Kartierungen unterstützte und wunderbare Bilder von einigen Arten auf dem Schiefen Brink beigesteuert hat. Außerdem danke ich Sophia Stoll für die Digitalisierung meiner handschriftlichen Tageskarten.
¹Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S:, Gedeon, K., Schikore, T., Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.), 2005: Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. 779 S., Radolfzell: Mugler/BfN.
Baumschutz ist ein wichtiges Aufgabenfeld für den NABU Bad Münder!
Uns erreichen immer häufiger Nachrichten von Bürgern, die von gefällten Baumgruppen, Feldhecken oder ganzen Alleen berichten.
Leider können wir vom NABU nicht jeden einzelnen Fall kontrollieren und prüfen, ob z.B. die Arbeiten korrekt und rechtmäßig ausgeführt worden sind bzw. in wie fern Ersatzpflanzungen vorgenommen wurde.
Das übersteigt unsere personellen und zeitlichen Kapazitäten bei weitem.
Aber wir möchten in Zukunft solche Vorfälle gerne sammeln und verstärkt Einzelfälle kontrollieren. Bitte keine Einzelfällungen oder kleinere Fällungen auf Privatgrundstücken melden, es sei denn es war z.B. eine 200 Jahre alte Eiche oder ein Nistplatz von Greifvögeln oder Höhlen von Eulen oder Fledermäusen.
Es sollte sich um einschneidende Maßnahmen in Biotope handeln.
Und so können Sie uns dabei helfen:
Bitte übermitteln Sie uns per Mail, Post oder Telefon folgende Daten:
Bitte schicken Sie uns auch wenn möglich Bilder, die das Ausmaß dokumentieren, idealerweise auch Vorher-Bilder!
Wir werden dann Einzelfälle überprüfen und bei den verantwortlichen Stellen auf z.B. Neupflanzungen drängen. Wir hoffen damit auf eine höhere Sensibilität bei den Anträgen und den Bewilligungen aber natürlich auch bei einer konsequenteren Durchführung der Ausgleichsmaßnahmen.